Eine kleine Diskussion über Egregore an und für sich.
von Abir Ja'ir
a'isa: Isch dachte, ein Egregor is entweder so
'nen Dings, das eh da ist und sich dann irgendwie quasi an die Gruppe
wendet, wenn sie sich mit dem-und-dem verbinden will.
Saxum: Nein, nicht ganz. Also grundsätzlich kann man
Egregoren verschieden betrachten. Viele stellen sie sich als Wesenheiten
mit quasi-physischen Eigenschaften vor, schreiben ihnen in menschlichen
Kategorien angesiedelte Intentionen zu und meinen, sie solcherart
visualisieren zu können. Wir sprechen hier in Kategorien der Morphogenetik
darüber, weil da einiges klarer wird, z.B. die Manifestation des Egregors
aus den Individualenergien, und weil die Verantwortung des einzelnen
Tempelmitglieds für den Egregor klar wird. Bei der Sichtweise des Egregors
als Wesenheit taucht der Egregor so hastenichgesehen aus dem Nichts auf
(und verschwindet so auch öfter mal wieder, woran dann natürlich immer die
anderen schuld sind). Außerdem verführt diese Sicht dazu, alles mögliche
inklusive der eigenen Verantwortung für das magische Tun in diese
Wesenheit zu projezieren. Mit der konzeptionell energetischen Sichtweise
geht das nicht so einfach.
Also, mit der Installation des Tempels
und dem Wirken der Tempelmitglieder beginnt sich der Egregor aus den
Individualenergien mehr oder weniger schnell zu manifestieren, das hängt
von der spirituellen Kraft der Mitglieder und der Bereitschaft, sie in den
Tempel sozusagen zu "investieren". Zweck z.B. ritueller Übungen ist es,
durch speziele Fokussierung der eigenen Energien in die Gruppenenergie
diese mit anderen Energien zu verbinden. Ein Saturnritual hat den Zweck,
die im Egregor manifestierten, zur Gruppenenergie verbundenen, eigenen
Energien mit der des saturnischen Fluxus zu verbinden. Dazu dienen alle
rituellen Handlungen von der speziellen Vorbereitung des Tempels über
Räucherungen und Anrufungen, auch wenn sie für Außenstehende merkwürdig
oder albern wirken. Das ist bei allen Planeten- und Sternenritualen für
den jeweilgen Planeten/Stern adäquat. Ebenso bei Elementeritualen für die
Kraft der jeweiligen Elemente, bei Symbolritualen (z.B. Pentagramm- oder
Swastikaritual) für die Kraft der jeweiligen Symbole uswusf. Hier tritt,
so es denn gelingt, die Verbindung des Egregors mit den o.g. Kräften als
etwas von außen Wirkendem ein, was rückwirkend die Kraft der Gruppe und
damit die individuellen Kräfte enorm verstärken kann und soll, was dann
eben auch magische Operationen ermöglicht. Das ist es, was ich mit
transformierender Wirkung meine. In der Wesenheitsicht taucht dann halt
eine solche auf, um sich mit dem Gruppenegregor zu verbinden.
Der
Egregor ist eine Art Transformator. Er nimmt als Manifestation der
Gruppenenergie die Energien der Tempelmitglieder auf und gibt, z.B. in
Ritualen, Energie transformiert zurück. Die Energien sind dabei natürlich
in oder aus den Schwestern und Brüdern selbst heraus mobilisiert. Solche
Egregoren bildet eigentlich jede Gruppe, auch exoterische Gruppen tun das,
nur wird in der Magie, speziell der rituellen und Tempelmagie, bewußt und
gezielt mit dem Egregor gearbeitet.
a'isa: [Solche
Egregoren bildet eigentlich jede Gruppe, auch exoterische Gruppen...]
Humhumhum... Ich bin mir immer noch nicht gaaaanz sicher, ob ich das
verstehe. *G*
Saxum: Das meint, das im Grunde jede
andere Gruppe, ob Kegelclub oder politische Partei mit der Ausbildung
morphogenetischer Felder einen solchen Egregor entwickelt. Nur käme da
keiner auf die Idee, das so zu nennen und so zu interpretieren. Da wird
dann gerne versucht, energetische Phänomene gruppenpsychologisch
zuerklären - mit den bekannt unzulänglichen Resultaten. Natürlich gibt es
in Gruppen grupppsychologische Phänomene, nur läßt sich halt nicht alles
unter diese subsumieren.
Bei der bewußten Arbeit an und mit dem
Egregor sieht das halt in oben beschriebener Weise aus und ein schönes
Beispiel für exoterische Egregorarbeit ist die Band Therion. Die wissen,
da selbst alle aktive Magier, um dieses Phänomen und zelebrieren ihre
Konzerte in ritueller Form mit der Fokussierung ihrer Energie und der des
Publikums in einen Egregor. Das Resultat ist, wie ich aus eigener
Erfahrung weiß, verblüffend und ungeheuer inspirierend, was über die rein
musikalische Ebene weit hinaus geht. Andere Bands machen das auch, z.B.
Dimmu Borgir, die auch rein optisch die Bühne als Ritualraum inszenieren,
was Therion nicht tut.
a'isa: Also, das ist dann so,
dass sich im Rahmen der Arbeit in der Gruppe eine gruppenspezififische
Energie entwickelt und mittels der kann man dann auch wieder an andere
Ernergieformen ran? Also ist Egregor sowas wie ähhh Kraftstrom?
Saxum: Nein, die Kraftstrom ist einerseits der Fluxus
der spirituellen Kraft der Tempelmitglieder zum Egregor und umgekehrt und
andererseits der Fluxus der auswärtigen Kraft zum Egregor. Der selbst ist
kein Fluxus, sondern ein Energiefeld. Der Unterschied ist, daß Energie
einerseits und Kraft andererseits Größen verschiedener Kategorien sind.
(Um korrekt zu sein, müßten wir statt Kraft den Begriff Arbeit verwenden,
die das Differenzial der entlang eines bestimmten Weges aufgebrachten
Kraft ist. Da wir den Weg in unserer Betrachtung nicht quantifizieren
können, vernachlässigen wir ihn einfach und sprechen von Kraft.
Physikalisch ist das aber nicht korrekt, worauf ich hiermit hingewiesen
habe.) Energie ist eine Zustandsgröße und Kraft ist eine Vorgangsgröße.
Energie ist als Potential, d.h. potentiell wirkende Kraft vorhanden, Kraft
ist nur aus einem Energiepotential im Fluxus als eigentlichem Vorgang
wirkende Größe. Ein kleiner, aber hilfreicher Vergleich: Physiker greifen
hier gerne zu dem Vergleich mit einem Bankkonto. Energie ist als
Zustandsgröße das Guthaben auf diesem Konto, die Arbeit (für uns hier
Kraft) als Vorgangsgröße ist mit den Auf- und Abbuchungen auf diesem Konto
vergleichbar. Deshalb haben beide auch dieselbe Maßeinheit, ähnlich der
Währung, in der das Konto geführt wird. (Letzteres trifft auf die Kraft
nicht zu.)
a'isa: Mit der Istallation des Tempels? Also
ab dem Zeitpunkt ab dem ein paar Leute sagen "wir machen nu 'nen Tempel
aus unserem Kaffekränzchen" *GG*?
Saxum: Nun ja, das zu
sagen reicht nicht ganz. Die Schwestern und Brüder im Tempel müssen ihre
spirituellen Energien schon mobilisieren und das geht n.m.E. am Anfang am
besten mit intensiver, gemeinsamer Arbeit an einem gemeinsamen Ziel - also
mit dem, was hier nun passiert. Ich spüre, daß sich in Sachen Egregor,
sprich Energiefeld, schon gut was getan hat und bin sicher, daß das Licht
in eurem Tempel hell strahlen wird. Später ist es ratsam, den Tempel auch
rituell zu installieren, wann und in welcher Form ihr das tut, müßt ihr
selbst wissen. Aber das weiß man, wann das soweit ist und was zu tun ist.
a'isa: Wieso konnte sie das überhaupt? Ich meine, wie
kann das sein, daß ein Mitglied der Gruppe mit dem Egregor abhaut, wenn
der Egregor doch aus sich heraus nichts ist.
Saxum: Der
Egregor ist irgendwann aus sich heraus durchaus etwas, nämlich ein
Energiefeld, das, wenn es stabil genug ist, eine ganze Weile auch ohne
Fluxus von den Mitglieder her existieren kann.
Ein erfahrener Magier
kann das, indem er auf den Egregor fokussiert und quasi auf einen Schlag
dem morphogenetischen Feld die Energie entzieht, also einen Kraftfluxus
vom Egregor zu sich initiiert und ihn sozusagen assimiliert. Das geht am
besten rituell. Aber wenn es dich tröstet - wer das tut, hat i.d.R. wenig
Freude daran. Er erfährt zwar zunächst einen enormen Energieschub, aber
die wenigsten können den verkraften.
Alrune: Mich würde
da interessieren, zu welcher Art magischen Operationen der Egregor
"angezapft" wurde/wird.
Saxum: Na ja, angezapft ist
nicht der richtige Ausdruck, das klingt so parasitär. Es sind ja die um
den entsprechenden äußeren Fluxus verstärkten spirituellen Energien der
Tempelmitglieder und aus denen heraus sind magische Operationen möglich.
Das sind sie zwar prinzipiell auch ohne Arbeit mit Egregoren, aber mit
ihnen sind sie halt wirkungsvoller und in größerem Maßstab möglich. Welche
Operationen möglich sind? Alle, die auf energetischer Basis wirken, also
IMO alle. Es wäre nur sinnvoll, wenn man als Gruppe solche Operationen
plant, sich vorher zu überlegen, was man womit erreichen will und ob man
dazu berechtigt ist, also den ethischen Aspekt im Auge behalten sollte.
Alrune: Das meinte ich mit meiner Frage nicht, sondern
wann hauptsächlich diese Energien eingesetzt werden/wurden, denn ich
zweifle an, dass wenn da irgendjemand ein Amulett aufladen will, sich
gleich des Egregors bedient wird *g*.
Saxum: Kommt
drauf an, aus welcher Perspektive man das sieht. Die rituelle Arbeit am
Egregor wirkt energetisch auf die Teilnehmer und in schwächerer Form auf
alle Mitglieder der Gruppe zurück, so daß deren individuelle magische
Arbeit davon auch profitiert. Wenn man direkt aus dem Gruppenfeld schöpft,
ist da natürlich an umfangreichere Maßnahmen wie Evokationen oder
kriegerische Handlungen o.ä. gedacht.
Alrune: Was
geschieht damit, wenn ein Mitglied sich aus diesem Strom zurückzieht? Dass
dann ein Teil des ursprünglichen fehlt ist klar, doch kann das auch
grössere Ausmaße haben?
Saxum: Bei kleineren Gruppen
kann das zum Erlöschen des Lichtes im Tempel führen, also zum Verschwinden
des Egregors, zum Zusammenbruch des morphogenetischen Feldes, wenn die
anderen Tempelmitglieder nicht in der Lage sind, den Rückzug des
Mitgliedes zu kompensieren. Es hat schon seinen Grund, daß in der
Ritualistik i.d.R. eine Mindestanzahl von Personen zur Durchführung des
Rituals erforderlich ist. Das sind in die Ritualistik im Laufe der
Jahrhunderte eingeflossene Erfahrungswerte. Eingespielte Gruppen und
erfahrene Ritualmeister bemerken den Rückzug über kurz oder lang und
deshalb sollte das kommunikative Klima im Tempel so sein, daß man
derartiges besprechen kann.
Alrune: Bzw. ist es für ein
einzelne Person möglich den Egregor soweit zu beeinflussen, dass herbe
Konsequenzen darauf für den gesamten Tempel, Orden etc. entstehen?
Saxum: Ja, durch unbeabsichtigte oder gar
beabsichtigte, also manipulative Einbringung gruppenfremder Energiefluxi
kann das erreicht werden, was zum Erlöschen des Lichtes im Tempel, zur
Sprengung der Gruppe und bis hin zu physischen Ausfallerscheinungen bei
den Tempelmitgliedern führen kann. Derselbe Effekt tritt bei massivem
Abzug der Energie seitens eines Mitgliedes ein, wozu ein erfahrener Magier
durchaus in der Lage ist. Und natürlich stellt sich jedes Tempelmitglied
im Bezug auf den Egregor in den energetischen Fluxus der jeweils anderen
Mitglieder. Wenn es das nicht will oder sich dem entzieht, ist eine
Mitarbeit im Tempel nutzlos bis schädlich.




