Huhu Sistas :)
Ich dachte, ich verleg diese Diskussion mal ins offene Forum, damit alle etwas davon haben.
Folgendes habe ich im Schwarzen Netz aufgetrieben:
Aphrodite entstammte nach einem Mythos jenem Meeresschaum, der sich um das abgeschnittene Geschlechtsteil des Uranos bildete, als es, von Kronos abgetrennt und herabgestürzt, über die Wellen trieb. Die aus dem Schaum hervorgegangene Aphrodite landete auf der Insel Kythera und an Land sollen Blumen gewachsen sein, wo ihr Fuß die Erde berührte (HESIOD, Theogonie, 190ff.)
Der Legende nach stürzte Kronos-Saturn seinen Vater Ouranos. Gaia, die Erde, hatte ihrem Sohn dafür extra eine Sichel gegeben und Kronos schnitt damit seinem Vater das Glied ab. Einige sagen, Aphrodite sei aus den herabfallenden Blutstropfen entstanden, andere sagen, sie sei aus dem abgeschnittenen Geschlechtsteil hervorgegangen.
Ich frage mich die ganze Zeit, was dieses Bild für eine Bedeutung hat und stoße auf viele Widersprüche.
Einerseits suggeriert das Bild, daß Liebe (Aphrodite) entsteht, wenn Sexualität durch Geist (Kronos) sublimiert bzw. transzendiert wird (das bildliche Abschneiden des Gliedes). Das ist irgendwie logisch und einleuchtend.
Weniger einleuchtend ist, daß Aphrodite weniger die Göttin der geistigen Liebe, als die der Triebe ist... die Mythen sind voll von ihren Streichen, die dann meistens dem armen Ares in die Schuhe geschoben wurden. *amkopfkratz*
Ich frage mich auch, was mir das sagen soll, daß eine uralte Göttin männlichen Ursprungs ist...
Was fällt euch dazu noch ein?
Liebe Grüße,
Katz
Witzigerweise habe ich gerade eben was gelesen, was irgendwie dazu passt...
"Ich erinnere mich eines Falles, der sich mir vorstellte als das Opfer eines hochgradigen Mutter- und Kastrationskomplexes, der immer noch nicht überwunden sei, trotz einer >>Psychoanalyse<<. Er hatte, ohne mein Zutun, von sich aus einige Zeichnungen angefertigt, welche die Mutter zuerst als übermenschliches Wesen darstellten, dann aber als Jammerfigur mit blutigen Verstümmelungen. Insbesondere fiel auf, daß an der Mutter offenbar eine Kastration vollzogen worden war, denn vor ihrem blutigen Genitale lagen abgeschnittene männliche Schamteile. Die Zeichnungen stellten eine >>climax a maiori ad minus<< (Steigerung vom Größeren zum Geringeren) dar: Zuerst war die Mutter ein göttlicher Hermaphroditus, der dann durch die enttäuschende und nicht mehr zu leugnende Erfahrung der Wirklichkeit seiner androgynen, Platonischen Vollkommenheit beraubt und in die Jammergestalt einer gewöhnlichen alten Frau verwandelt wurde. Die Mutter war also offenbar von Anfang an, das heißt seit der frühesten Kindheit von der archetypischen Idee der Syzygie oder coniunctio des Mann-Weiblichen assimliiert worden und erschien deshalb als vollkommen und übermenschlich. Diese Eigenschaft haftet dem Archetypus nämlich stets an und bildet auch den Grund, warum er dem Bewußtsein fremd und unzugehörig erscheint, und warum, falls sich das Subjekt mit ihm identifiziert, er eine oft verheerende Persönlichkeitsveränderung bewirkt, meist in Form des Größen- oder Kleinheitswahnes.
Die Enttäuschung hat an der hermaphroditischen Mutter eine Kastration vollzogen: das war der sogenannte Kastrationskomplex des Patienten. Er war vom Kindheitsolymp heruntergefallen und war nicht mehr der Heldensohn einer göttlichen Mutter. Seine >>Kastrationsfurcht<< war die Furcht vor dem wirklichen Leben, das in keiner Weise der kindlichen Urerwartung entsprach und überall jenes mythologischen Sinnes entbehrte, dessen er sich doch von seiner frühesten Jugend her dunkel erinnerte. Sein Dasein war - in des Wortes eigentlichstem Sinne - >>entgöttert<<."
C.G. Jung - Über den Archetypus mit besonderer Berücksichtigung des Animabegriffes
Natürlich ist die Geschichte nicht dieselbe - aber hier entsteht die weibliche Figur ebenfalls aus einer Kastration. Und dadurch wird sie unvollkommen - ebenso wie Aphrodite offenbar nicht die vollkommene Liebe verkörpert, sondern auch eine nicht so nette Seite hat...
Paradoxerweise bedeutet Vollkommenheit aber andererseits beides - Mann/Frau im Falle des Hermaphroditen oder eben Schutz und Zerstörung im Falle der Liebe. Die Vorfahrinnen Aphrodites hatten beide Teile noch gleich stark ausgebildet (alle, die den Anath-Mond schon hinter sich haben, wissen, wovon ich rede - aber z.B. für Ishtar/Inanna oder Isis gilt ähnliches). Aphrodite, und noch stärker ihr römisches Gegenstück Venus, werden immer mehr auf den "netten" Teil beschränkt, und eigentlich macht erst das sie unvollkommen.
Mythen lassen sich halt kaum 1:1 in logisches Geschehen übersetzen, sondern meistens werden unterschiedliche Vorstellungen/Bilder/Vorgänge zu einer komplizierten Geschichte verwoben. Das Bild von der Kastration des Uranos ist eines, das von Aphrodites Geburt ein anderes, und dazwischen knirscht es ein bisschen.
Dass sie die Göttin der Triebe ist, klingt durch den Kastrationsakt zwar unlogisch; betrachtet man jedoch nur die Symbolik ihrer Entstehung aus einem Geschlechtsteil, so ist die Aussage relativ klar.
Bedenkt man dann noch, dass sie aus einem männlichen Geschlechtsorgan entsteht, so leuchtet irgendwie auch ein, warum sie ihre Eigenständigkeit immer mehr ablegt und zu einem Abziehbildchen männlicher Phantasien wird. Vielleicht ist in dieser Geschichte sogar ihre "Sublimierung" zur asexuellen Madonnenfigur angelegt (der Schniedel ist ja nun ab, also beschränkt man sich auf "geistige" Liebe...).
Männlichen Ursprungs ist sie damit meiner Meinung nach aber noch lange nicht - viel mehr wurde sie durch diese Geschichte für die Männer ihres Horrors beraubt. Ich denke mal, ihre Vorgängerin Anath hätte die entsprechende Kastration noch selbst durchgeführt...
Hier ein Auszug aus dem Buch "Who's who im Himmel" von Ditte und Giovanni Bandini, ISBN: 3423325399
Aphrodite
Wenn Athenes Klugheit daher rührt, dass sie aus dem Kopf des Zeus geboren wurde, dann ist die griechische Liebesgöttin Aphrodite deswegen besonders sinnlich, weil sie, zumindest indirekt, aus dem "Glied der Zeugung" (so Hesiod) des Uranos entstand. Zeus' Vater Kronos hatte mit seiner Mutter Gaia den teuflischen Plan ausgeheckt, seinen Vater zu entmannen. während dieser eines Nachts ahnungslos seine Gattin besuchte. Mit einer Sichel hieb er Uranos' "kostbares Stück" ab und warf es in hohem Bogen ins aufbrandende Meer. Dort schwamm es eine ganze Weile, trieb übers Wasser lang dahin, bis schließlich ein weißer Ring von Schaum sich hob um das göttliche Fleisch: Da entwuchs ihm alsbald die Jungfrau. Diese aber war keine andere als Aphrodite.
Schön wie der junge Morgen kam sie aus den Wogen hervor und wurde auf einer Muschel erst zum Strand der Insel Kythera getrieben, dann weiter nach Kypros, unserem heutigen Zypern, wo alle Götter sie ungeduldig erwarteten und ihr, sobald sie an Land stieg, begeistert huldigten. Wo sie den Boden betrat, bedeckte er sich augenblicklich mit duftenden Blumen, denn alles an ihr war, so Hesiod, "jugendliches Gekose, Gelächter, Spiele der Täuschung, Lockung und süßeste Lust und die Wonne umarmender Liebe".
So lagen ihr denn auch ausnahmslos alle zu Füßen - zumindest alle Männer. Die Frauen allerdings waren, wie sich denken läßt, über den Neuzugang anfangs nicht übermäßig erfreut. Doch letztlich konnten auch sie sich ihrem Einfluß nicht entziehen, denn wie eine Homerische Hymne erklärt, ist sie es,
"die den Göttern süße Sehnsucht erweckt und
die Völker der sterblichen Menschen bezwingt,
auch die Vögel des Himmels und alle Tiere, ob
sie auf dem Festlande wohnen oder im Meere:
Alle tun sie die Werke der Aphrodite".
Ein Sieg auf der ganzen Linie war es jedoch nicht, denn drei Göttinnen widerstanden eisern den Lockungen der Liebe: Athene, Artemis und Hestia. Und auch Hera hatte sie sich bald gründlich zur Feindin gemacht - spätestens nämlich, als Paris seinen berühmten Apfel nicht ihr, sondern Aphrodite überreichte. Die Folge war, daß Aphrodite die Trojaner, die gleichfalls verschmähte Athene aber die Griechen tatkräftig unterstützte und die verbitterte Hera die Trojaner piesackte, wo sie nur konnte.
Sie wie letztlich sie den Trojanischen Krieg auslöste, könnte man überhaupt sagen, daß alle Gaben der Aphrodite ein zweischneidiges Schwert sind. Die Liebe, die sie ringsum einflößt, die Leidenschaften die sie entstehen läßt, bringen immer auch Unglück für den einen oder die andere. Wenn die Liebe so heftig wird, daß darüber alles andere - Eltern, Kinder, Mann - vergessen oder deshalb gar ein Verbrechen begangen wird, kann man mit Euripides nur beten: "Oh Herrin! Sende mir nie vom goldenen Bogen den Pfeil des rasenden Verlangens! Bleibe du, Bescheidung, mir treu, schönste Gabe der Götter!"
Dennoch ist es völlig zwecklos, sich gegen den Zauber Aphrodites zu wehren, hat sie doch nicht nur ihre überirdische Schönheit und den "Zauberbusengürtel" (Hera), der jeden, der ihn trägt, unwiederstehlich macht, sondern auch eine ganz spezielle Salbe. Wen sie damit beglückt, der kann sich freuen. Einst schenkte sie etwas davon als Dank einem Fährmann, Phaon mit Namen, der sie trotz ihrer wenig ansprechenden Verkleidung als häßliche alte Frau von Lesbos zum Festland hinübergebracht hatte. Dank des Zaubermittels würde er so unwiderstehlich schön, daß ihm von nun an die Frauen zu Füßen lagen und die große Dichterin Sappho sich gar seinentwegen ins Meer gestürzt haben soll.
Man kann sich fragen, wieso sie, die Schönste der Schönen, die fast ausnahmslos jeden Mann haben konnte, ausgerechnet den lahmen Schmied Hephaistos heiratete. Vielleicht weil er durch seiner Hände Arbeit schafft, was sie verkörpert - Schönheit? Jedenfalls war sie selbst offenbar schon bald nicht mehr so recht von dieser Ehe überzeugt, denn sie betrügt ihn nach Strich und Faden. An manchen ihrer Liebhaber hängt sie mehr, an anderen weniger. Reinweg verrückt war sie nach Adonis, und als dieser bei der Jagd von einem Eber getötet wurde, kam sie über seinen Verlust kaum hinweg. Sie tröstete sich erst, als ihr Persephone, die Göttin der Unterwelt, auf ihre Bitten hin zugestand, ihr toter Geliebter dürfe sechs Monate im Jahr auf der Erde weilen.
Der zum Hahnrei gemachte Hephaistos bewahrt im allgemeinen die Ruhe und schweigt auch zu den unehelichen Kindern, die ihm seine Frau unterschiebt - etwa Hermaphroditos, den Hermes mit ihr zeugte, Äneas, den sie von Anchises bekam, oder Styx, Hymen und Priapos. Bei ihrer Affäre mit Ares, von dem sie gar fünf Kinder, darunter Eros, hatte, platzte Hephaistos allerdings dann doch der Kragen: Er fertigte ein feines Netz an, legte es um das Bett der Aphrodite und wartete, bis Ares kam. Kaum hatten die beiden angefangen, sich miteinander zu vergnügen, warf Hephaistos das Netz über sie und zog es fest zu. Dann rief er die übrigen Götter herbei, und alle drängten sich kichernd um die Ertappten und machten sich gehörig über sie lustig.
Ares war, einer Überlieferung zufolge, durch das Erlebnis so erschüttert, daß er, wieder freigelassen, die Flucht ergriff und sich nach Thrakien übersetzte.
Diese unrühmliche Geschichte tat der Popularität der Aphrodite allerdings keinen Abbruch. In der ganzen griechischen Welt liebten und verehrten die Menschen sie, die "Wonne der Menschen und Götter", als die lebensspendende Herrin des Himmels und der fruchtbaren Erde. Sie opferten ihr vor allem Räucherwerk, denn der Durft von Weihrauch und feinen Ölen erfreut ihr Herz über alles (oder fast). Lieb sind ihr auch Tauben, die Vögel der Liebe, und noch mehr Gänse - vielleicht, weil sie die "Göttin des stillen Meeres" ist, aus dem sie ja einst geboren wurde. Dementsprechend war vor allem sie es, die Seeleute um gute Fahrt und eine glückliche Heimkehr baten - denn, wie Lukrez gleich zu Beginn seines Lehrgedichts schreibt:
"Wenn du nahest, oh Göttin, dann fliehen die Winde, vom Himmel
flieht das Gevölk, die bereitet die liebliche Bilderin Erde
duftende Blumen zum Teppich, dir lächelt entgegen die Meerluft,
und ein friedlicher Schimmer verbreitet sich über den Himmel."
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