Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Empathie - wer hat Lust?
http://www.denkerfahrungen.org/community/index.php?mode=viewthread&forum_id=13&thread=5
Hallo liebe Schwestern, liebe Freunde,
ich habe für das nächste Mentopiatreffen einen Themenvorschlag eingereicht. Hat eine von Euch Lust, mit mir das Thema gemeinsam zu erarbeiten? Damit ist u. a. gemeint, dass ich jemanden brauche, der meinen Text Korrektur liest und mir evtl. noch offene Fragen zum Thema stellt, die ich evtl. dann noch recherchieren und in den Vortrag einarbeiten müsste.
Ich würde auch gerne persönliche Erfahrungen einzelner Menschen einbauen, daher würde ich gerne vorab von Euch wissen (zumindest von denen die meinen, dass sie gewisse empathische Fähigkeiten haben), welche Erfahrungen, welche Probleme ihr damit habt und welchen Nutzen ihr aus den Fähigkeiten zieht.
- Was bedeutet der Begriff "Empathie" für Euch?
- Wie geht Ihr mit der Empathie um?
- Was für Probleme hattet Ihr bisher damit?
- Habt Ihr auch positive Erfahrungen gesammelt?
- Wie "blockt" Ihr die Empfindungen und Gefühle anderer Menschen?
Ich freue mich über jede Unterstützung die ich kriegen kann. Nach meinem Vortrag - sofern das Thema dann angenommen wird - werde ich dann auch einen Text im Internet zur Verfügung stellen, so dass wir alle auch einen gewissen Nutzen daraus ziehen können und evtl. selbst etwas dabei lernen...
Alles Liebe
Deva
- Was bedeutet der Begriff "Empathie" für Euch?
- Wie geht Ihr mit der Empathie um?
- Was für Probleme hattet Ihr bisher damit?
- Habt Ihr auch positive Erfahrungen gesammelt?
- Wie "blockt" Ihr die Empfindungen und Gefühle anderer Menschen?
Deva
oha! ja, da weiss ich was dazu. Es gibt Tage, da scheine ich ein Schwamm zu sein, der die Gefühle seiner Umgebung aufsaugt. Später bin ich dann ärgerlich, von düsteren Gedanken geplagt, deren Ursprung ich nicht kenne. Bis mir dann einfällt, dass ich vorher zwischen zwei Leuten sass, die sich über irgendetwas furchtbar aufregten oder an irgendeiner Verschwörungstheorie strickten. Da mir solche Gespräche zutiefst unangenehm sind, höre ich meist weg (oder versuche es zumindest) und warte darauf, dass das Gespräch eine Wendung nimmt. Gerade dieser Zug scheint meine Abwehr zu schwächen.
Bedingt durch die Arbeit habe ich mit Menschen zu tun, denen es schlecht geht. Im Laufe des Arbeitstages nimmt meine eigene Kraft ab und ich fühle mich oft älter, müder und schwächer, als ich tatsächlich bin. Sobald ich meinen Arbeitsplatz verlasse, werde ich schlagartig wieder wach. So ähnlich wie das Blut in einen eingeschlafenen Körperteil zurückkehrt.
Empathie ist in meinem Beruf gefordert, sprich: ich muss empfänglich sein für die Stimmungen, Befindlichkeiten und nonverbalen Botschaften meiner Umgebung. Die eingegangenen Signale übersetze ich in für mich verständliche Botschaften, gemäss derer ich dann handle. Es ist wohl Berufsrisiko, dass ich mich diesem *Mit-Fühlen* stelle und auch die Konsequenzen zu tragen habe.
Natürlich überprüfe ich, ob ich die Situation richtig eingeschätzt habe. Meist schon. Bei meinen Klienten ist das auch recht einfach. Gelegentlich gelange ich jedoch zu einem blitzartigen Verständnis meines Gegenübers, wobei ich mir nicht erklären kann, wie das zustande kommt. Meist bin ich dann so perplex, dass ich damit rausplatze. (ist mir vorgestern bei einem Vorgesetzten passiert. Der war ähnlich verdattert wie ich selbst)
Mit Arbeitskollegen tausche ich mich über diese Erfahrungen aus, viele erleben das gleiche. Was mir schon einige gesagt haben, ich bräuchte ein dickeres Fell. Wobei ich dann sage, dass die Intensität des Erlebens darunter leidet. Denn das dicke Fell kann ich ja nicht nach Belieben aus- und wieder anziehen.
Zhadee
Huhu Deva,
da hast du dir aber ein sehr komplexes Thema ausgedacht *gg*
Na dann mal losgelegt:
Empathie ist für mich die Fähigkeit, das Erleben und die Gefühle genau und sensibel zu erfassen. Ich versuche mich in seinen inneren und äußeren Bezugsrahmen so einzufühlen, als ob ich der andere wäre, und trotzdem versuche nie außer acht zu lassen, dass ich ich selbst und nicht der andere bin. Empathie ist nicht Identifikation. Einfühlendes Verstehen dient nicht dazu, das Gegenüber zu interpretieren oder einzuordnen, sondern ist ein Versuch, sich möglichst genau in sein Erleben und in seine Welt hineinzuversetzen. So grob umrissen würde ich jetzt die Empathie beschreiben.
Zu meinen Erfahrungen:
Ich brauche die Empathie täglich in meinen Job. Das Schlimme daran ist, was Zhadee schon schrieb, das Gefühl des ausgesaugt seins - selber alle Kraft verloren zu haben. Irgendwie ist dies ein Prozeß, den man schlecht steuern kann. Das dicke Fell auch wenn es noch so dick ist leidet darunter.
Viele verstehen auch die Empathie falsch, denn sie selbst können nicht damit umgehen, dass jemand versucht ihnen zu helfen. Ich habe ab und zu das Gefühl, dass es Menschen gibt, die gar nicht wollen, dass es ihnen besser geht.
Auch die Arbeitskollegen haben nicht immer die Erfahrung mit Empathie um zugehen, obwohl es in unserem Job eigentlich unersetzbar ist - es wird einfach gebraucht.
Postiv für mich ist, dass einfach viele Menschen unwahrscheinlich gut darauf anspringen und das auch akzeptieren bzw. sich akzeptiert fühlen so wie sie sind.
Abblocken - ich kann es - aber frag mich nicht wie. Muss ich mir die Tage auf der Arbeit mal Notizen machen, wenn ich es wieder machen muss.
so viel erstmal von mir,
di-màirt :wink:
Hallo Zhadee, hallo di-máirt,
ersteinmal vielen Dank für Eure Ausführungen. Ich werde versuchen, Eure Anmerkungen mit in den Vortrag einzubauen und zu berücksichtigen. Der Großteil deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen, daher denke ich, wird der Vortrag recht interessant für Euch werden. Ich habe mir auch ein paar Artikel im Internet durchgelesen und u. a. auch einen gekauft, der von Empathie im Berufsleben handelt... Mal schauen, inwiefern ich das auch noch mit einbauen kann...
Alles Liebe
Deva
So, hier noch mein Senf dazu:
Seit ich denken kann lebe ich damit, die Gefühle andere Menschen aufzufangen. Ich kann das sehr gut will heissen, dass ich es eigentlich immer einsetze. Ich kann mir ein Leben ohne dieses Gefühl eigentlich nicht vorstellen.
Für mich ist Empathie die Fähigkeit, aus der Sichtweise des anderen zu sehen/zu fühlen.. Das heisst, in begrenztem Ausmass identifiziere ich mich mit ihm/ihr. Ich kann sehr gut unterscheiden, was jetzt "ich" oder der "andere" ist.
Vorteile:
- Persönlich: Ich kann andere Menschen einschätzen, kann sehr gut beurteilen, ob dieser Mensch Vertrauen verdient oder nicht.
- Job: Wenn eine positive Arbeitsumgebung herrscht (dh. wenn ich mit den anderen gut kompatibel bin) habe ich viel Energie und ich finde viel Freude an meiner Arbeit
Nachteile:
- Persönlich: Ich kann überhaupt nicht gut verhandeln, da ich auffange, ob der andere Mensch jetzt z.B. mehr Geld für seine Ware haben möchte. Ich bring dann auch nicht die Härte auf, MEINE Bedürfnisse vor die seinen zu stellen
- Job: Herrscht ein gespanntes Arbeitsklima bin ich unglücklich, mache Fehler, bin fahrig und nervös. Ich reflektiere.
Abblocken:
Meine Methode ist, mich auf das Ding, das ich gerade tue (ganz egal was es ist) voll zu konzentrieren. Ich vergesse dann die Umgebung und fang auch nix mehr auf. Nachteil des ganzen: Ich höre keine Gespräche mehr, krieg nur mit, dass das Telefon klingelt, wenn ich direkt daneben sitze. Das kann für Kollegen/Freunde ganz schön irritierend werden 8)
So, Schluss der Abhandlung.
Viel Glück mit Deinem Vortrag.. btw. vielleicht kannst Du ihn ja hier im Thread veröffentlichen? Würde mich interessieren :D
Knuddels,
Alice
Hi Alice,
nix da, ich verrate meinen Vortrag doch nicht, bevor ich ihn gehalten habe. Schließlich bekommst Du ja höchstpersönlich mit, was ich zu sagen habe. Anschließend wird der Text ganz sicher noch einmal veröffentlicht.
Die Daten, die Ihr mir hier gegeben habt, werde ich selbstverständlich anonymisiert in den Vortrag einfließen lassen, so dass ihr nix zu befürchten habt.
*knuddels* Danke!
Deva
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