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Zhadee
03.12.04, 14:03
Hallihallo

So richtig geübt in Sachen Forum bin ich nicht. Vor allem nicht, wenn es um Beiträge schreiben geht. Ich habe mir jetzt mal ein Thema überlegt und dazu meine Gedanken aufgeschrieben.

Worunter ich am meisten leide, das ist misslingende Kommunikation. Entweder krieg ich den meiner Stimmung zugrundeliegenden Gedanken nicht ausgesprochen und ich bleibe in meinen jeweiligen Emotionen verstrickt, oder mir gelingt es, klar zu sprechen und der Andere begreift nicht, worum es mir geht.

Ein ganz furchtbarer Satz: "Du verstehst es nicht!" Was zum Kuckuck ist denn es?! Dieses es wird selten klar ausgesprochen. Beide Parteien haben für sich jeweils geklärt (oder auch nicht), was "es" ist und argumentieren dementsprechend, als ginge es um das gleiche "es". Stillschweigend wird davon ausgegangen, man habe in diesem Punkt eine Übereinstimmung. Nach dem Motto: Der andere weiss ganz genau, was ich meine.

Ich bin die ganze Zeit in meinem Kopf alleine. Von daher ist der Grundsatz "Bemühe dich um Objektivität" zum Scheitern verurteilt. Ich kann mich um einen anderen Standpunkt bemühen, bleibe dabei doch immer in der Subjektivität. Allenfalls gelingt mir Distanz. Dass der Andere eben ein Anderer ist, den ich niemals zur Gänze verstehen kann. Der Andere als urteilendes Wesen wird vielleicht zur gleichen Schlussfolgerung gelangen, geht dabei aber einen anderen Weg als ich.

Irgendwann hab ich mal kapiert, dass *wortloses Verstehen* eines meiner Ideale ist. Liegt vielleicht daran, dass ich häufig zu faul bin, meine Gedanken ordentlich zu halten und verständlich zu formulieren. Für mich selbst bin ich schlüssig. Das nützt dem Anderen herzlich wenig. Untersuche ich mein Handeln, finde ich immer ein Motiv: dient der Zeitersparnis, ist bequem, vermeidet etwas Unangenehmes, schafft Ruhe, etc. Gelegentlich brabbel ich so vor mich hin, bin schlampig und schludrig in der Wortwahl, gedanklich schon mit was anderem beschäftigt und entschuldige mich mit: "das ist aber nur subjektiv!" Nur Gott ist objektiv. Wir Menschen bleiben immer subjektiv.

Deva
04.12.04, 11:38
Hey Zhadee,

misslungene Kommunikation ist wirklich etwas schlimmes. Gerade in einem Medium wie das Internet muss man wortgewandt sein, um wirklich das auszudrücken, was der andere dann auch noch so verstehen soll. Mir gelingt das - um ehrlich zu sein - so gut wie nie. Es kommt immer etwas falsch an oder wird missverstanden. Im besten Falle bekomme ich die Chance, das Missverständnis gleich auszuräumen. In manchen Fällen - wenn z. B. die Person unter einem Vorwand schnell geht oder sauer den Raum verlässt oder ähnliches - gelingt es mir halt nicht und diese Missverständnisse werden Tage oder Wochen weitergeschleppt ohne das die Chance gegeben wird, das Missverständnis auszuräumen. Finde ich schade. Ich will mich auch nicht ausschließen - manchmal gehts mir ja genauso, dass ich sauer bin und dann ein paar Schnellschüsse vom Stapel lasse (wie kürzlich ja gut zu sehen war *breitgrinst*), die ich dann hinterher wieder korrigieren will. Nunja, alles in allem:

Die Kommunikation im wirklichen Leben ist schon schwer genug zu meistern - und da hat man wenigstens noch die Chance mit Gestik, Mimik und Sprache zu unterstützen. Im Internet braucht es wirklich Rücksicht von allen Seiten...

Danke für den tollen Beitrag :-)

Liebe Grüße

Deva

Morgana
04.12.04, 12:29
Huhu Zhadee!

Vielleicht hängst Du Deine Ansprüche ja einfach zu hoch? Objektivität im Sinne einer Gottesaugen-Perspektive ist natürlich nicht menschenmöglich. Aber das bezieht sich nicht nur auf die Kommunikation, sondern auf unser gesamtes Meinungsgebäude. Fast nichts von dem, was wir zu wissen glauben, ist wirklich beweisbar. Und trotzdem gehen wir normalerweise davon aus, dass die Welt so ist, wie wir sie uns vorstellen - anders wäre der Alltag ja auch kaum zu bewältigen.

Ich denke, dass man vielen Stolperfallen schon ausweicht, wenn man diese Tatsache im Hinterkopf behält. Das sollte nicht nur Fanatismus jeglicher Art verhindern.

In der Kommunikation wird natürlich noch einer draufgesetzt, denn hier kommen Emotionen ins Spiel, die den ohnehin schon getrübten Blick noch weiter verstellen können. Und wir sind sehr schnell dabei, dem anderen Motive für sein Verhalten einfach zu unterstellen, ohne mal nachzuprüfen, ob er nicht ganz andere Intentionen hatte. Das dumme ist, dass dieser Vorgang bei den meisten Menschen automatisch abläuft, d.h. sie denken ja nicht bewusst "Ich unterstelle X jetzt einfach mal, dass er es böse gemeint hat", sondern sie denken "X hat es böse gemeint" und merken nicht, dass das erstmal nur ihre eigene Interpretation ist.

Daher ist es in der Kommunikation noch viel wichtiger, sich immer wieder klarzumachen, dass man dem anderen eben nicht direkt in den Kopf schauen kann.

Wortloses Verstehen - schön wär's. Aber gerade in emotional aufgeladenen Situationen ist das wohl kaum möglich, da ja jeder mit seinem eigenen Ärger, seiner eigenen Verletzheit zu kämpfen hat, da ist kaum noch Platz, sich über den anderen Gedanken zu machen. Und selbst wenn man - meist in angenehmen Situationen - den Eindruck hat, den anderen wortlos zu verstehen, sollte man sich meiner Meinung nach immer ein Körnchen Zweifel bewahren, denn es könnte ja doch nicht der andere sein, den man da versteht, sondern nur die eigene Interpretation seines Verhaltens...

@Deva: dass die Internet-Kommunikation besonders anfällig für Missverständnisse ist, haben wir ja alle schon schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Gerade deshalb sollte man eben vorsichtig sein mit dem, was man sagt und in brenzeligen Situationen seine Formulierungen lieber zu viel überdenken als einmal zu wenig. Wir wissen ja auch alle, was in einem harmlosen getippten Satz manchmal noch alles unterschwellig transportiert wird und was für verheerende Auswirkungen das beim Empfänger haben kann - besonders, wenn er eh schon emotional aufgeladen oder gestresst ist.

Das Verlassen von Räumen kann auch zum reinen Selbstschutz geschehen (erst kürzlich gab es einen Fall, in dem man ein solches Verhalten auch einfach als beleidigte Leberwurst-spielen hätte auslegen können - mit ein bisschen Wohlwollen aber durchaus als notwendigen Rückzug in einer Zeit emotionaler Aufgewühltheit, um sich erst einmal wieder abzuregen, auffassen konnte). Auch hier geht es also um die Frage der eigenen Interpretation des Verhaltens des anderen, und je mehr guten Willen Du jemandem zugestehst, desto leichter wird es auch sein, eventuelle Missverständnisse auszuräumen. Andersherum: gehst Du davon aus, dass der andere einfach nur sauer und beleidigt ist und Dir gemeinerweise noch nicht einmal die Möglichkeit gibt, das Missverständnis auszuräumen - denn Du wirst natürlich nicht den ersten Schritt machen, schließlich kannst Du ja nichts dafür, dass der andere so überreagiert... - dann kann sich so etwas tatsächlich über Wochen hinziehen.

Manchmal reicht schon eine einfache Nachfrage aus und das Kartenhaus, dass man sich über die angeblichen Intentionen des anderen zusammengebastelt hat, fällt zusammen. Ich erinnere an einen anderen Fall aus unserer gemeinsamen Vergangenheit, den ich neulich schon im Chat erwähnte, und in dem ein einfaches Zugehen der betreffenden Person auf die Leute, die ihr angeblich böses wollten, dieses Missverständnis höchstwahrscheinlich aus der Welt geschafft hätte.

Zurück zur Frage der Objektivität: auch wenn diese im idealen Sinne nicht erreichbar ist, so kann man doch zumindest darauf achten, sich aus der Falle allzu großer Subjektivität selbst hinauszuhieven - oder wenigstens, wenn man von seinen subjektiven Emotionen ab und zu überrannt wird, sich dann zurückzuziehen, um eben nicht Dinge zu sagen, die man hinterher bereut. So halte ich es zumindest, aber das ist vielleicht eine Frage des Charakters - manche Menschen brauchen viel Gesellschaft, wenn es ihnen schlecht geht, ich persönlich schotte mich in solchen Phasen lieber so weit wie möglich gegen die Außenwelt ab, um das ganze mit mir selbst auszumachen. An den anderen mit einem gewissen Maß an Objektivität heranzugehen, bedeutet z.B., solche Unterschiede im Charakter zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Oder, ganz platt: nicht von sich auf andere zu schließen.

Insgesamt ist es doch aber gerade diese Verschiedenheit der Menschen und die Tatsache, dass man sich eben nicht wortlos versteht, die das Leben so spannend macht, oder? :wink:

LG
Morgana

Deva
04.12.04, 12:47
Huhu Morgana!

@Deva: dass die Internet-Kommunikation besonders anfällig für Missverständnisse ist, haben wir ja alle schon schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Gerade deshalb sollte man eben vorsichtig sein mit dem, was man sagt und in brenzeligen Situationen seine Formulierungen lieber zu viel überdenken als einmal zu wenig. Wir wissen ja auch alle, was in einem harmlosen getippten Satz manchmal noch alles unterschwellig transportiert wird und was für verheerende Auswirkungen das beim Empfänger haben kann - besonders, wenn er eh schon emotional aufgeladen oder gestresst ist.

Natürlich, das wissen wir ja alle recht gut. Dennoch gibt es Situationen, da produzieren wir selbst auch am laufenden Band Missverständnisse - wie ich erst kürzlich feststellen musste. Mein Problem ist - genau wie das von Zhadee wenn ich das richtig verstanden habe - das ich mit Worten nicht gut umgehen kann und dementsprechend darauf vertraue, dass die Leute eben nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wird. Aber gerade in brenzligen Situationen, die auch noch mit starken Emotionen untersetzt sind oder waren, fällt es auf beiden Seiten schwer, den anderen verstehen zu können und eben diese wichtigen Nachfragen ausbleiben. Dies kann dann auch dazu führen, das ein paar Worte, die an sich nicht böse gemeint waren, eben böse beim anderen ankommen. Klar sollte man seine Worte im Idealfall lieber 5-10 Mal überdenken bevor man sie jemandem anderen mitteilt, aber gerade in den Internetmedien wie Foren oder Chats ist das natürlich sehr schwer - will man doch schnell eine Antwort verfassen (zumindest geht das immer mir so) und dann denkt man nicht mehr darüber nach, wie die Worte im schlimmsten Falle bei anderen Menschen ankommen könnten - gerade wenn man emotional gestresst ist ;-)

Dabei fällt mir ein, dass ich Dich nochmal anrufen wollte. Hättest Du Morgen Zeit für mich? (Ich bin nämlich bis heute Abend noch bei meinen Eltern und weiß nicht genau, wann ich nach Hause komme. Meine Schwester wird hier heute auch noch aufschlagen...)

Das Verlassen von Räumen kann auch zum reinen Selbstschutz geschehen (erst kürzlich gab es einen Fall, in dem man ein solches Verhalten auch einfach als beleidigte Leberwurst-spielen hätte auslegen können - mit ein bisschen Wohlwollen aber durchaus als notwendigen Rückzug in einer Zeit emotionaler Aufgewühltheit, um sich erst einmal wieder abzuregen, auffassen konnte). Auch hier geht es also um die Frage der eigenen Interpretation des Verhaltens des anderen, und je mehr guten Willen Du jemandem zugestehst, desto leichter wird es auch sein, eventuelle Missverständnisse auszuräumen. Andersherum: gehst Du davon aus, dass der andere einfach nur sauer und beleidigt ist und Dir gemeinerweise noch nicht einmal die Möglichkeit gibt, das Missverständnis auszuräumen - denn Du wirst natürlich nicht den ersten Schritt machen, schließlich kannst Du ja nichts dafür, dass der andere so überreagiert... - dann kann sich so etwas tatsächlich über Wochen hinziehen.

Natürlich. Ich habe es sogar in dem kürzlich ereigneten Vorfall so gesehen, dass gerade die Emotionen überkochten und habe bei dem Verlassen nicht ein Wort darüber verloren. Ich spielte hier gerade auf ein anderes Ereignis an - weswegen ich auch gerne mit Dir telefonieren würde. Um konkreter zu werden: Ich denke ich habe letzte Woche im Chat ein unbedachtes Wort Dir gegenüber geäußert, was so gar nicht gemeint war und ich hatte in dem Moment nicht mehr die Chance, dieses unbedachte Wort auszuräumen. Dies würde ich gerne mit Dir klären, halte aber das Internet nicht für das geeignete Medium dafür.

Manchmal reicht schon eine einfache Nachfrage aus und das Kartenhaus, dass man sich über die angeblichen Intentionen des anderen zusammengebastelt hat, fällt zusammen. Ich erinnere an einen anderen Fall aus unserer gemeinsamen Vergangenheit, den ich neulich schon im Chat erwähnte, und in dem ein einfaches Zugehen der betreffenden Person auf die Leute, die ihr angeblich böses wollten, dieses Missverständnis höchstwahrscheinlich aus der Welt geschafft hätte.

*nickt* Da stimme ich Dir zu. Nur gerade wenn man annimmt, dass die anderem einen böses wollen (ich meine jetzt tatsächlich den konkreten Fall aus der Vergangenheit), fällt es einem selbst superschwer auf diese Menschen zuzugehen. Würde mir auf jeden Fall auch so gehen...

*vorsichtig knuddels*

Deva

Morgana
04.12.04, 15:29
Huhu Deva!

Klar kannst Du anrufen - morgen ist eh besser als heute, da ich jetzt erstmal Sozialstress habe *nerv*
Morgen müsste ich eigentlich den ganzen Tag zuhause sein.

*reknuddels*
Morgana

Deva
04.12.04, 21:10
Huhu Morgana,

dann ruf ich Dich morgen nach dem Mittagessen an :-)

*knuddels*

Deva

Jawar
04.12.04, 23:09
Hallöchen,

ich bin da mit Morgana einer Meinung: Es hängt davon ab, was man unter Objektivität versteht. Wenn man den Anspruch zu absolut setzt, wird man immer wieder - wie du es schon sagtest - mit der Subjektivität konfrontiert.

Objektivität als größtmögliche Annäherung an die Realität läßt einem da schon mehr Luft, subjektive Elemente sind gleich miteingeschlossen, aber man landet nicht so schnell im Subjektivismus.

Unter Objektivität als größtmögliche Annäherung verstehe ich, daß ich, wenn ich mir nicht sicher bin, wie ich etwas zu verstehen habe, ein Gespräch auf den rein verbalen Inhalt reduziere. So kann ich meine Emotionen vom Gesprächsinhalt trennen, mich also danebenstellen, als wäre ich eine unbeteiligte Person. Dann kann ich mir auch in Ruhe überlegen, wieviele verschiedene Interpretationsmöglichkeiten es gibt und wo das Risiko besteht, in unwägbares Terrain abzudriften, wo man sich verzettelt.

Bevor ich jemand anderem meinen Standpunkt verklickern kann, muß ich mir erstmal selbst klar sein was für einen Standpunkt ich da überhaupt habe. Ehe ich da keine Ordnung habe, mache ich auch nicht den Mund auf, sonst bin ich unklar in meinen Gedanken, in meiner Wortwahl und genauso kommt es dann auch an: Wirr.

Ich bin da eher bedächtig. Ich nehme mir im RL die Zeit, das Gehörte/Gesehene zu verarbeiten, das dauert unter Umständen zwei-drei Tage oder länger, weil ich mir dann alles angucke, also nicht nur den Gesprächsinhalt, sondern auch Gestik, Mimik, was ich dabei empfunden habe, was ich jetzt für ein Gefühl dabei habe, ob und wie sich diese Gefühle auf den Inhalt beziehen, was für Gedanken ich dazu hatte und wie sich diese weiterführen lassen, was letztendlich mein Standpunkt dazu ist und wie sich das mit meinen ethischen Grundregeln verträgt.
Im Internet nehme ich mir für ein Posting sehr viel Zeit, auch kurze dauern dann mal eine Stunde, weil ich Wert darauf lege, systematisch und sauber meinen Standpunkt darzulegen und dabei immer ethische Mindestgrundlinien einzuhalten.

Das ist natürlich keine Garantie dafür, daß man dann auch verstanden wird, aber man kann in keiner Kommunikation mehr tun, als die Verantwortung für das zu übernehmen, was man selbst denkt (und fühlt), sagt und tut. Die andere Hälfte übernimmt dann der andere oder er läßt es halt bleiben. Das muß jeder für sich selbst entscheiden.

Es sollte natürlich klar sein, daß Verständnis und Ansicht zwei verschiedene Kategorien sind. Jemandes Position nachvollziehen zu können, bedeutet noch lange nicht, daß man sich selbst auch auf diese Position begeben oder aus ihr heraus argumentieren müßte. Ich kann jemanden verstehen, aber grundlegend anderer Meinung sein und dies - bei allem Verständnis - dann auch so klar und deutlich sagen, daß der andere sich unter Umständen kraß mißverstanden fühlt.

Genausogut kann ich etwas respektieren, muß es damit aber noch lange nicht akzeptieren.

Alice
05.12.04, 15:43
*winkesausderInternetferne* :D

Prinzipiell haben wir ja schon alle Situationen erlebt, in denen wir ganz genau gewusst haben, dass das, was der andere gesagt hat (Tonfall, Mimik, Wortwahl,..), jetzt nicht unbedingt UNS gegolten hat. Will heissen, dieser Mensch wurde von jemand anderem oder etwas anderes geärgert und er gibt diese Aggressivität jetzt an uns weiter. Er will dies gar nicht, tuts aber trotzdem. Ich hab dann das Problem, dass ich zwar weiss, dass ers nicht so meint wies klingt (weil die Aggressivität im Grunde genommen ja etwas anderem gilt), mich es aber trotzdem verletzt, dass er das jetzt an mir auslässt. "Warum muss er das ausgerechnet an mir auslassen?"
Wie geht Ihr mit sowas um? Und besonders, wenns häufiger auftritt?

Ich glaube, das grösste Problem bei Internetforen, Chats, und v.a. SMS ist der Wegfall der zusätzlichen Sinninhalte, die sonst durch Körpersprache, Mimik und Empathie kommuniziert werden. Worte sind schnell geschrieben - und oft kann man sich überhaupt nicht vorstellen, in welcher Assoziation diese Worte beim Gegenüber ankommen. Dies hängt von der Momentanverfassung des Gegenübers genauso ab, wie von der beabsichtigten Wirkung der Worte. Man hat auch keine Möglichkeit, einmal geschriebene Worte rückgängig zu machen. Die einzige Möglichkeit ist dann der Versuch einer Erklärung (und das funktioniert dann auch nur, wenn der andere SAGT, dass er verletzt wurde).

Objektivität als Ideal ist sowieso für mich nicht erreichbar. Ich versuchs zwar meine Gefühle und diverse Vergangenheitsgeschichten rauszuhalten, aber gelingen tut es mir sicher nicht. Ich kann das auch von keinem anderen verlangen. So wie Jawar schon sagte: Ich kann nur versuchen, für meine Aktionen/Meldungen Verantwortung zu übernehmen und dann dazu zu stehen.

*knuddelsallemal*
Alice

Jawar
06.12.04, 18:32
Huhu! *zurückwink*



Wie geht Ihr mit sowas um? Und besonders, wenns häufiger auftritt?

Ich denke, da sollte man unbedingt klarstellen, wo die Grenzen liegen. Wenn das einmal passiert, kann man noch darüber hinwegsehen, es hat ja jeder mal einen schlechten Tag. Andererseits kann man's dannn aber auch kommunizieren, indem man einfach sagt "hey, laß uns ein andernmal darüber quatschen, ich hab jetzt gerade schlechte Laune/bin tierisch gestreßt, etc.

Wenn das häufiger vorkommt, dann gucke ich mir genauer an, welche Qualität das hat. Es gibt Leute, die das systematisch machen. Wenn man sie darauf anspricht, tun sie dann zwar ganz unschuldig nach dem Motto "das war nicht meine Absicht", in Wirklichkeit wissen die meisten aber ganz genau, daß sie da gerade ihren Frust abladen, ist ja auch der Sinn der Sache. Entweder laß ich sie dann mit einem gleichgültigen Schulterzucken oder einer flapsigen oder irnonischen Bemerkung auflaufen oder ich versuche sie ein-zweimal die Leute freundlich darauf aufmerksam zu machen, daß ich kein Müllabladeplatz oder Projektionsfläche bin. Wenn das ignoriert wird, gibts beim dritten mal ein Donnerwetter.


Ich glaube, das grösste Problem bei Internetforen, Chats, und v.a. SMS ist der Wegfall der zusätzlichen Sinninhalte, die sonst durch Körpersprache, Mimik und Empathie kommuniziert werden.

Wobei ich der Ansicht bin, daß man das schon kompensieren kann.
Auf den Gedanken, daß man ja mal nachfragen könnte, wie dieses oder jenes gemeint sei, kommen lsutigerweise die allerwenigsten, dann kann man aber auch davon ausgehen, daß viele das im RL genausowenig tun.

Das Internet verlangt viel Menschenkenntnis und eine gewisse Distanz zu sich selbst, aber das sind Charaktereigenschaften, die man auch im RL braucht. Es ist ja auch oft so, daß Menschen, die im Internet nicht klarkommen, im RL genausowenig klarkommen. Gesprochene Sprache und geschriebene Sprache stellen Gedankengänge nur ganz anders dar, und was im RL nicht so auffällt, ist im Internet dann reichlich kraß.

Man hat auch keine Möglichkeit, einmal geschriebene Worte rückgängig zu machen.

Das gilt aber generell nicht nur für das geschriebene Wort. Auch Gesagtes läßt sich nicht mehr zurücknehmen. Wenn man sich entschuldigen muß, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Ich glaube nicht, daß das unbedingt eine Frage des Mediums ist.
Jeder Mensch lernt irgendwann in seinem Leben, daß es zwischen Impulsivität und Selbstbeherrschung immer eine Gratwanderung gibt. Diese zu meistern lernt man oft erst in späteren Lebensjahren.

Na jut, manche Menschen lernen's zugegebenermaßen nie...

Liebe Grüße,
Katz

Morgana
07.12.04, 11:19
Moin! *gähn*

Nochmal zum Objektivitätsproblem: ich leihe mir aus der Erkenntnistheorie da gern den Begriff der "Intersubjektivität" aus. So wird deutlich, dass nicht das Ideal eines Gottesauges gemeint ist, aber auch nicht der pure Subjektivismus. Meine Meinungen müssen mit denen meiner Peergroup kompatibel oder wenigstens abgleichbar sein, sonst wird Kommunikation unmöglich. Und andersherum habe ich mir meine Meinungen ja auch nicht ganz allein oder durch irgendein mystisches direktes Wahrnehmen der objektiven Realität gebildet, sondern sie sind ein Konglomerat aus diversesten Einflüssen meiner Umgebung.

Unter diesen Voraussetzungen dürfte Verständnis eigentlich gar nicht so schwer sein, denn wir sind ja alle Teil derselben Lebenswelt. Wir sprechen dieselbe Sprache, unterliegen ähnlichen kulturellen Einflüssen, erkennen ähnliche Werte an, haben eine ähnliche Bildung - zumindest wenn man diese Standards mit denen anderer Kulturen vergleicht. Dennoch tun sich innerhalb einer Gemeinschaft scheinbar unüberwindbare Verständnisklüfte auf - basierend auf unterschiedlicher Intelligenz und Ausbildung, politischen Ansichten, religiösen Werten, moralischen Grundsätzen etc. pp.

Vielleicht ist es ja der Hang zum Individualismus, der Traum, etwas besonderes und einzigartiges sein zu wollen. Denn letztendlich ist Verständnis meiner Meinung nach eine Frage der Einstellung. Gehe ich wohlwollend auf jemanden zu, ist es mir möglich, seine Meinungen zu verstehen, ganz abgesehen davon, ob ich sie gutheißen kann. Lehne ich ihn jedoch von vornherein ab, so versuche ich ja gar nicht erst, seine Einstellung nachzuvollziehen und kann ihn daher gleich als Idioten oder schlechten Menschen abstempeln.

Beides - Nachvollziehen und Ablehnen - sind jedoch Denkprozesse, sie geschehen nicht "wortlos". Ein Gefühl der Ablehnung kann intuitiv verursacht werden, aber normalerweise baut man sich dann hinterher noch eine rationale Rechtfertigung, warum man mit diesem Menschen nichts zu tun haben will. Ein spontanes Gefühl der Sympathie dagegen wird mich dazu bringen, über die Beweggründe dieses Menschen nachzudenken und ihn so zu verstehen versuchen.

Das ist im Internet auch nicht anders als im Alltag. Darum sehe ich hier einen großen Unterschied zwischen Leuten, die man schon länger/auch privat kennt und irgendwelchen Fremden, auf die man in den öffentlichen Foren stößt. Bei letzteren sind die Probleme der rein schriftlichen Kommunikation offensichtlich: man weiß nicht, wer hinter dem Posting steckt, man weiß nicht, ob ein Satz ironisch oder genau so, wie er da steht, gemeint ist, man weiß nicht, ob derjenige vielleicht Schwierigkeiten hat, sich auszudrücken. Nichtsdestotrotz wird sofort eine Maschinerie in Gang gesetzt, die versucht, solche Informationen aus dem Posting zu ziehen - und das Ergebnis kann auf die Person zutreffen oder auch voll daneben liegen.

Bei Bekannten und Freunden kann man das Verhalten dagegen viel besser einschätzen. Daher sollten die Gefahren für Missverständnisse hier eigentlich nicht mehr so hoch sein - auch weil man, da man die Person ja mag, dann vielleicht doch nochmal nachfragt, wie das denn jetzt eigentlich gemeint war.

Und klar, einem Freund verzeiht man auch mal, dass er seine miese Laune an einem auslässt. Wenn das allerdings regelmäßig geschieht, läuft etwas schief, und dann sollte man das auch sagen. Genauso wie man selbst Verständnis für den anderen aufbringt, muss dieser auch in der Lage sein, Verständnis für einen selbst aufzubringen, sonst ist die "Freundschaft" eine ziemlich einseitige Angelegenheit. Es kann z.B. hilfreich sein, ab und zu auch mal die eigenen Probleme in den Vordergrund zu rücken, damit der andere merkt, dass man nicht unbegrenzt belastbar ist und dass er - was man ihm ja nicht unbedingt so ins Gesicht sagen möchte - schlichtweg nervt.

Wenn Leute mich partout als Seelischen Mülleimer oder sonstwie benutzen wollen, blocke ich inzwischen konsequent ab. Naja, mehr oder weniger *g* Das zu lernen ist nunmal nicht einfach, aber ich glaube, inzwischen gelingt es mir schon ganz gut. Ich habe zwar immernoch ein schlechtes Gewissen dabei, aber mir ist zumindest klar, dass ich eigentlich keins haben sollte...

Das mit den einmal gesagten Worten finde ich übrigens nicht ganz so schlimm. Nur in den wenigsten Fällen hinterlässt ein unbedachter Satz eine so große Wunde, dass die Basis für eine freundschaftliche Klärung damit endgültig futsch ist. Narben bleiben allerdings häufiger mal, und die können in ähnlichen Situationen schnell wieder aufplatzen. Daher lohnt es natürlich immer, seine Worte mit Bedacht zu wählen - gegen ein bisschen Harmonie und die Vermeidung von Streit ist schließlich auch nichts einzuwenden *g*

*knutschers*
Morgana

Cara-Lashtal
21.12.05, 11:40
Hallo zusammen,

ich hatte ja geschrieben das ich das Gespräch mit euch suchen will - jetzt habe ich Urlaub und in der Tat Zeit den Gedanken auch Wirklichkeit werden zu lassen.

Dieses Thema hier ist immer wieder aktuell. Deshalb war ich auch so frei und habe mal einen Link hier gesetzt, von unserem Internen Board aus, ist ja öffentlich hier und vielleicht bringt es dem ein oder anderen Geist aus unserem Board etwas das hier zu lesen. Solange wir auf NAC waren konnte ich immer gut auf Morganas Text verweisen (von dem ich nicht mehr weis wo er abgeblieben ist). Hier sind ähnlich Inhalte wiederzuerkennen. Ich hoffe also ihr nehmt mir die Verlinkung nicht übel.

Beim lesen ist mir aufgefallen das mir ein Wort gefehlt hat: Autak; ich bemühe mich autentisch in meiner Art zu sein wie ich kommuniziere, im Internet, per Brief aber auch real. Ich halte mich deshalb auch nicht für sonderlich Objektiv - und ich gebe mir selten Mühe rein "sachlich" zu kommunizieren, vielleicht da ich annehme das das auf Grund unbewuster Signale eh nicht geht - oder vielleicht auch das ich vieles, auch Sachbezogene Themen aus der Erfahrung empfinde und weniger aus der Theorie?

Hum vielleicht ist es auch falsch so zu Kommunizieren, gerade im Internet. Ich habe da die letzten Jahre auch gelernt, an Erfahrung - nicht an der Theorie. Nur wenn ich richtig gestreßt bin und setz mich an die tastatur - oh, scheiße, das ist nie besonders gut, passiert aber doch immer wieder mal - ist das aber nicht auch autentisch? Ein Teil meiner Person?
Internetkommunikation führe ich fast nurnoch mit Menschen die ich kenne, denen ich mal in die Augen geschaut habe und mit denen ich auch irgendwas zutun hab. Das erspart mir eine menge der Mißverständnisse die hier schon aufgezählt wurden.

Es bleibt nicht aus das frau immer mal wieder auf "fremde" stößt - hier kenn ich ja auch nur einen Teil - aber manchmal reicht es auch lange im Netz gemeinsam zutun gehabt zu haben wie zwischen Deva und mir - ich denke nicht das sich etwas ändern würde wenn wir uns treffen, das ganze würde vielleicht intensiver, aber es würde sich nicht wirklich ändern (*denk*). Das sind aber ausnahmen.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin dann möchte ich auf meinen Versuch authentisch zu schreiben im Netz nicht für eine Objektive Schreibweise verzichten - ich glaube deshalb habe ich die Bedingungen meiner Internetkommunikation geändert *g*.

Naja und Verletzungen die durch Konflikte in der Kommunikation entstehen sind begrenzt sicher heilbar - jenachdem wie Wichtig ein anderer einem selbst ist, wurde ja auch schon gesagt. Und ich finde das Abstand durch aus eine Methode sein kann um solche Wunden heilen zu lassen.

Den letzten großen Internetkonflikt hatte ich mit euch in der Egregordebatte, dananch habe ich mich mit niemanden mehr auf diese Ebene begeben - ich gehe dann wenn Diskusionen so ausarten oder schreib einfach nicht mehr - das ist der bessere weg. Ein wieder kommen ist dann einfacher und auch zeitlich kürzer. Ich denke heute das ich diese Erfahrung gebraucht habe und eben genau das zulernen.

Naja - also ich denke was ich sagen wollte hab ich geschrieben, das ich lieber autak kommuniziere als Objektiv.

Gruß
Cara-Lashtal

Morgana
22.12.05, 16:05
Huhu Cara!

Ich hab leider noch keinen Urlaub - daher nur mal auf die Schnelle: Das Wort "autark" in Bezug auf eine Person zu verwenden, ist mir bisher noch nicht in den Sinn gekommen. Man ist doch immer in irgendeiner Weise abhängig von und beeinflussbar durch seine Umwelt?!?

Und ein authentischer Schreibstil muss ja nicht im Widerspruch zur Objektivität stehen. Es geht eigentlich nur darum, sich immer wieder bewusst zu machen, dass der andere es eventuell gar nicht so gemeint hat, wie etwas bei mir ankommt. Darum sehe ich eben zu, dass ich nicht unbedingt meine ersten Gefühle, die mich beim Lesen eines Postings überfallen, gleich in meine Antwort packen. Das wäre dann zwar meine authentische Reaktion - aber die Reaktion, wenn ich das ganze ein paar Stunden später oder am nächsten Tag, wenn ich vielleicht bessere Laune habe, noch einmal lese, ist doch genauso authentisch.

Deinen Schreibstil finde ich übrigens tatsächlich sehr authentisch, da er es irgendwie schafft, mit einfachen Worten sehr viel zu vermitteln. Für mich schwang da schon immer eine besondere Verständnisebene mit - auch bevor wir uns persönlich kannten. :wink:

*knuddels*
Morgana

02.01.06, 12:29
Hallo Morgana,

Ich hab leider noch keinen Urlaub - daher nur mal auf die Schnelle: Das Wort "autark" in Bezug auf eine Person zu verwenden, ist mir bisher noch nicht in den Sinn gekommen. Man ist doch immer in irgendeiner Weise abhängig von und beeinflussbar durch seine Umwelt?!?

Ja ich geb dir recht, ich bin zu weilen schludrik in der Verwendung von begriffen, weil sie mir gerade im Kopf sind um etwas zu beschreiben. Also danke für den Hinweis.


Und ein authentischer Schreibstil muss ja nicht im Widerspruch zur Objektivität stehen. Es geht eigentlich nur darum, sich immer wieder bewusst zu machen, dass der andere es eventuell gar nicht so gemeint hat, wie etwas bei mir ankommt. Darum sehe ich eben zu, dass ich nicht unbedingt meine ersten Gefühle, die mich beim Lesen eines Postings überfallen, gleich in meine Antwort packen. Das wäre dann zwar meine authentische Reaktion - aber die Reaktion, wenn ich das ganze ein paar Stunden später oder am nächsten Tag, wenn ich vielleicht bessere Laune habe, noch einmal lese, ist doch genauso authentisch.

Hum...ich habe festgestellt das sich das kaum verändert bei mir - es gab zeiten da hab ich aus politischen Bewegründen so gehandelt und ich würde es auch der Politik zu liebe wieder tun, doch dann bin ich meiner meinung nach nicht mehr autentisch sondern "berechnend" oder harmloser ausgedrückt "Stradegisch".
Wenn mich etwas ärgert was ein anderer im Netz geschrieben hat kenne ich für mich wie gesagt nur die Möglichkeit zu schreiben was ich denke und fühle - oder ich lass es, das passiert meistens wenn ich nicht gleich antworte, das heißt aber nicht das meine Wut eine andere geworden ist - ich hab sie nur gefressen...

Aber wir sind ja sehr unterschiedliche Menschen, Morgana, du hast gelernt Worte zu benutzen und für mich sind sie stehts ausdruck meines innersten Selbst gewesen - ich korrikiere mich auch nur sehr selten. Es fließt vom Kopf in die Hand...deshalb gehen wir die dinge auch anderes an und deshalb wird dir der Abstand auch helfen eher authentisch, als Gefühlsbelastet zu sein - du bist Jungfrau gelle, oder azendent Jungfrau...irgendwas war da *erinner*



Deinen Schreibstil finde ich übrigens tatsächlich sehr authentisch, da er es irgendwie schafft, mit einfachen Worten sehr viel zu vermitteln. Für mich schwang da schon immer eine besondere Verständnisebene mit - auch bevor wir uns persönlich kannten.

:oops:

Danke für das Kompliment. Ich "sehe" Worte manchmal, nicht immer angenehm besonders wenn der Sender seine Emontionen zielgerichtet verwendet.

Internet Kommunikation kann so bereichernt sein, vorallem mit Menschen die man kennt - mit unbekannten find ich das eher schwer. Mir würde was fehlen ohne die Gespräche im Netz und ich will ja nicht irgendwie im Netz anderes rüber kommen als ich bin, wenn ich dem Menschen dann gegenüber steh....

*knuddel mal zurück die Hex`*

Ha ich habe einen echten richtigen Hexenhut zum Geburtstag bekommen...wollja mal sagen muß... Foto wird noch nachgeliefert mit dickem schwarzem Kater...

Cara